Kipppunkte des Klimawandels – Mythen und Fakten

Kipppunkte des Klimawandels - Mythen und Fakten

 

Wissenschaftler der Universität Hamburg haben in einer Studie erklärt, dass das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, unrealistisch ist. Die Studie untersuchte zehn gesellschaftliche Faktoren im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Obwohl einiges in Bewegung gekommen ist, bremst das Verhalten von Konsumenten und Unternehmen den notwendigen Klimaschutz. Die Leiterin des Exzellenzclusters „Klima, Klimawandel und Gesellschaft“ erklärte, dass die notwendige Dekarbonisierung zu langsam verläuft.

Nach Ansicht der Hamburger Wissenschaftler beeinflussen physikalische Prozesse wie das Schmelzen des arktischen Meereises und Eisschilde zwar die regionale Klimaveränderungen, aber haben keinen großen Einfluss auf die globale mittlere Temperatur bis 2050. Der Rückkopplungseffekt auf das Klima durch das Schmelzen des Eises sei viel geringer als angenommen. Die Medien haben laut den Autoren eine ambivalente Rolle in Bezug auf das Ziel einer CO2-neutralen Gesellschaft: manchmal unterstützen sie es, manchmal unterminieren sie es.

Die  Wissenschaftler sind der Auffassung, dass ein sozialer Wandel entscheidend für eine Eindämmung der Erderwärmung ist. Der bisherige Wandel reicht jedoch nicht aus. Staatliche Investitionen, um die Folgen der Corona-Krise und des russischen Einmarsches in die Ukraine abzumildern, haben die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen noch verfestigt. Dennoch müssen die Bemühungen um Klimaschutz weitergehen.

Marotzke, der auch Mitverfasser der letzten IPCC-Berichte war, glaubt nicht an das Konzept der „Kipppunkte“. Er sagt, der Begriff sei so überstrapaziert worden, dass er wissenschaftlich bedeutungslos sei. Die Entwicklung der globalen Temperatur hängt sowohl von den Emissionen als auch von der Reaktion des Klimas auf diese Emissionen ab. Diese Rückkopplungen zeigen die Empfindlichkeit des Klimas, und die Befürchtungen, dass der Permafrostboden auftaut, sind unbegründet. Eine erwärmte Atmosphäre strahlt auch mehr Energie in den Weltraum ab, ein Effekt, der 40 Mal stärker ist als der Klimaeffekt des durch das Auftauen des Permafrosts freigesetzten Methans.