„EU sollte aus der Friedensgeschichte früherer Imperien lernen“

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Die Transzendenz der Realität

Der Nobelpreisträger Max Planck war einer der Pioniere der Quantenphysik und deshalb nicht verdächtig einem esoterischen Weltbild anzuhängen. Er vermutete hinter der Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und die Materie zusammenhält, einen bewussten intelligenten Geist. Diesen hielt er für den „Urgrund aller Materie“.
Völlig unerklärlich ist beispielsweise, dass Atome, Elektronen oder Protonen bei bestimmten Untersuchungen überhaupt nichts Materielles mehr an sich haben. Sie scheinen Welleneigenschaft zu besitzen. Einen Hinweis auf den bewussten Geist finden wir in der wissenschaftlichen Interpretation der physikalischen Experimente mit Quanten. Lässt sich Plancks Ansicht aufgrund der in diesem Buch dargelegten neueren Erkenntnisse bestätigen?
Unter Vermeidung fast aller Formeln ist ein allgemeinverständliches abgerundetes Sachbuch entstanden, das seinen Finger auf die offenen Wunden der Wissenschaft legt und überraschende Lösungen auch für die „letzten Dinge“ bereithält.

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18.11.2020 10:19

„EU sollte aus der Friedensgeschichte früherer Imperien lernen“

Politikwissenschaftler Herfried Münkler in Münster: Europäische Union sollte sich an früheren Großreichen orientieren – „Imperien haben zerstörerische Kriege verhindert und Austausch geschaffen“ – Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Imperien und Zugehörigkeiten“ des Exzellenzclusters „Religion und Politik“

Historische Imperien wie das antike Römische Reich oder das British Empire sollten nach Einschätzung des Berliner Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Herfried Münkler einer Neubewertung unterzogen werden. „Imperien werden meist als aggressive Akteure gesehen, die plündern und unterdrücken. Manche wurden aber zu Hütern und Sachwaltern eines gemeinsamen Raumes, sicherten Frieden und sorgten für kulturellen Austausch und eine gemeinsame Werte- und Rechtsordnung“, sagte der Professor von der Humboldt-Universität zu Berlin am Dienstagabend in Münster. Die Europäische Union (EU) lasse sich als ein solches Imperium verstehen und könne aus den früheren Großreichen lernen. „Uns steht das Ende des amerikanischen Zeitalters bevor: Die EU sollte spezifisch europäische Interessen und Werthaltungen in die Neugestaltung der Weltordnung einbringen, wenn der alte Kontinent im 21. Jahrhundert noch eine Rolle spielen will.“ Wie das in regionaler und globaler Hinsicht gelingen könne, lasse sich an früheren imperialen Ordnungen ablesen, „die große zerstörerische Kriege verhinderten und kulturellen Austausch schufen.“

„Die EU bezeichnet sich selbst als ‚Raum des Friedens und des Wohlstands‘“, führte Münkler in der Ringvorlesung „Imperien und Zugehörigkeiten“ des Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der WWU aus. „Das kommt der Selbstlegitimation imperialer Ordnungen zu jeder Zeit gleich.“ In seinem Vortrag setzt der Wissenschaftler den Imperialismustheorien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine „Imperiumstheorie“ entgegen, „die der Analyse der Vergangenheit dienen kann, aber auch der Selbstaufklärung der EU über sich selbst“. Ins Zentrum seiner Imperiumstheorie stellt Münkler nicht die Ausbeutung von Kolonien, sondern die Bereitschaft der Reiche, in Gemeingüter zu investieren. „Imperien stellen Werte wie Wohlstand, Sicherheit und Frieden sowie Güter in großen geographischen Räumen bereit. Das funktioniert nur, wenn sie daraus nicht nur für sich Nutzen ziehen wollen.“ Als aktuelles Beispiel nannte Münkler das internationale Klimaabkommen. „Donald Trumps Austritt aus dem Abkommen war die Weigerung, in Gemeingüter zu investieren.“ Sein ‚America first‘ sei als Gegenparole dazu zu verstehen.

„Langlebige Imperien haben in ihre Peripherie investiert“

„Unser Blick auf historische Imperien ist durch die im öffentlichen Diskurs dominanten Imperialismustheorien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verstellt“, so Münkler weiter. „Viele imperiale Ordnungen lassen sich als Friedensordnungen betrachten. Namen wie die pax romana, pax americana, aber auch pax mongolica oder pax sovietica stehen geradezu für die Verhinderung großer zerstörerischer Kriege.“ Das Römische Reich der Antike und das Britische Reich der Neuzeit hätten über lange Zeit ihre Ränder und die Peripherie am Fortbestand der imperialen Ordnung zu interessieren vermocht. „Langlebige Imperien haben in ihre Ränder investiert und sie an den Vorteilen imperialer Ordnung, nämlich Sicherheit, Frieden und Wohlstand, teilhaben lassen.“

Ringvorlesung im ersten Cluster-Themenjahr „Zugehörigkeit und Abgrenzung“

Die interdisziplinäre Ringvorlesung „Imperien und Zugehörigkeiten“ des Exzellenzclusters untersucht den Einfluss von Kolonialmächten auf die sozialen, kulturellen und religiösen Zugehörigkeiten von Bevölkerungsgruppen in Großreichen und die Folgen bis heute und nimmt an Fallbeispielen von der Antike bis in das 20. Jahrhundert in den Blick, wie die Vielschichtigkeit von Zugehörigkeiten und religiösen Identitäten imperiale Gesellschaften beeinflussten und welche Dynamiken sozialer Formierung damit verbunden waren. Die Vortragsreihe bildet den Auftakt zum ersten Themenjahr „Zugehörigkeit und Abgrenzung. Dynamiken sozialer Formierung“ des Exzellenzclusters, das sich im Jahresprogramm 2020/21 mit dem Entstehen sozialer Gruppen befasst sowie mit den Identitäten und Konflikten, die daraus erwachsen.


Weitere Informationen:

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2020/aktuell/PM_Ringv… Ringvorlesung „Imperien und Zugehörigkeiten“
https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2020/aktuell/PM_Theme… Themenjahr „Zugehörigkeit und Abgrenzung“


Anhang

attachment icon Programm Ringvorlesung


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Politik, Religion
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer
Deutsch


Quelle: IDW