Für Kinder selbstverständlich: kochende und nähende Männer

Literature advertisement

Phänomen Naturgesetze

Was uns an den beinahe mythischen Denkern der antiken Welt so fasziniert, ist die wundervolle, abgeschlossene Einheit ihres Weltbildes. Mit welcher prachtvollen Gebärde steht einer dieser Denker vor uns, der legendenumrankte Pythagoras etwa, und sagt mit kühlem, unbeirrbarem Blick: Ich halte das Weltgeheimnis in den Händen.
Und hier beginnen die Ziele des vorliegenden Werkes. Es erblickt seine Aufgabe darin, in einem Umfang, der sich noch durcharbeiten lässt, ein wirkliches Verständnis der Welterscheinungen zu geben, soweit die Wissenschaft ein solches besitzt.
Es will gerade das bieten, was man in den vielen Werken über die Welt vergeblich sucht, weil diese den Ehrgeiz haben, möglichst viele Tatsachen zu bringen, deren Verarbeitung dann dem Leser überlassen bleibt.
Hier dagegen wird ein prinzipiell anderer Weg beschritten; die Tatsachen sind nur Hilfsmittel und nicht Endzweck. Es wird genau die Auswahl dessen geboten, was von dem gesamten sicheren Wissen zum Verständnis unseres naturwissenschaftlichen „Weltbildes“ notwendig ist.
Und der Leser dieses Buches kann wie Pythagoras mit unbeirrbaren Augen in die Welt blicken, denn er hält ihr Geheimnis in seinen Händen.

Hier geht es weiter …



Teilen: 

14.12.2020 12:09

Für Kinder selbstverständlich: kochende und nähende Männer

Das Können ist entscheidender als das Geschlecht – so eine erziehungswissenschaftliche Studie der Universität Bamberg.

Die Frau kocht, der Mann verdient Geld? Geht es nach Kindergartenkindern, sollten Aufgaben unabhängig vom Geschlecht verteilt werden. Kinder besitzen ein flexibles Rollenverständnis und einen Sinn für Gerechtigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt ein erziehungswissenschaftliches Forschungsteam der Universität Bamberg. Ihre Studie wurde 2020 im Fachmagazin „Diskurs Kindheits- und Jugendforschung“ veröffentlicht. „Viele Kinder verbinden bestimmte Tätigkeiten mit Personen, die erwachsen sind oder geeignete Kompetenzen besitzen. Weniger entscheidend ist für sie, ob jemand männlich oder weiblich ist“, schildert Hauptautor Dr. Lars Burghardt vom Lehrstuhl für Frühkindliche Bildung und Erziehung an der Universität Bamberg.

Interviews zeigen Geschlechtervorstellungen der befragten Kinder

Für die Studie haben Lars Burghardt, Fabian Hemmerich und Anna Mues Interviews mit 23 Jungen und 20 Mädchen aus drei Kindertageseinrichtungen in Oberfranken ausgewertet. Die insgesamt 43 Kinder waren im Jahr 2019 zwischen vier und sechs Jahre alt. Eine geschulte Interviewerin las ihnen das Bilderbuch „Sigurd und die starken Frauen“ von Jutta Nymphius und Volker Fredrich vor. Darin geht es um ein Wikingerdorf, in dem Frauen in See stechen und kämpfen, während Männer Hausarbeiten erledigen und sich um die Kinder kümmern. Mit dieser Aufgabenverteilung sind nicht alle Dorfbewohnerinnen und -bewohner zufrieden. Schließlich einigen sie sich darauf, dass sie die Tätigkeit unabhängig vom biologischen Geschlecht wählen können.

Zum Inhalt dieses Buches wurden die Kinder befragt, um ihre eigenen Geschlechtervorstellungen zu erfassen. Beispielsweise lautete eine Frage an die Kinder: „Glaubst du, die Frida kann gut mit Axt und Schwert umgehen?“. 29 Kinder bejahten die Aussage. Warum? Sie antworteten unter anderem, dass sie es nicht wüssten, dass Frida geübt habe oder dass Frida schon groß sei. 13 Kinder verneinten die Frage, etwa mit der Begründung, dass Frida noch zu klein sei oder sich mit Waffen verletzen könne.

Eltern sollten mit Kindern über Bilderbücher sprechen

„Insgesamt weisen unsere Befunde darauf hin, dass viele Kinder flexible Vorstellungen haben, was das Verhalten von männlichen und weiblichen Figuren angeht“, sagt Lars Burghardt. Die Mehrheit der Kinder hatte zum Beispiel keine Zweifel daran, dass auch Väter sich gut um Kinder kümmern und kochen können. Sie waren der Ansicht, dass Tätigkeiten wie Nähen, Kämpfen oder Bügeln keinem Geschlecht mehr oder weniger liegen. „Einem Großteil der Kinder scheint es auch sehr wichtig zu sein, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben“, ergänzt Hemmerich. So empfanden die meisten Kinder die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen als ungerecht. Die im Buch eingeführte Gerechtigkeit der freien Aufgabenwahl stieß bei fast allen Kindern auf große Zustimmung.

„Wegen der kleinen Stichprobe sind diese Befunde nicht allgemeingültig“, schränkt Burghardt ein. Dennoch erlauben ihm die Ergebnisse, Eltern einen Ratschlag zu geben: „Bilderbücher sind gut geeignet, um mit Kindern offen und reflektiert über gesellschaftlich relevante Themen zu sprechen. Dafür können Eltern auch stereotype Bilderbücher verwenden, zum Beispiel über Prinzessinnen. Wichtig ist, auf die vielfältigen Möglichkeiten im realen Leben einzugehen. Nicht alle Mädchen müssen eine Prinzessin sein, wenn sie sich mit dieser Rolle nicht wohlfühlen.“ Denn: Bekommt ein Kind nur ein Lebensmodell vorgelebt, das nicht zu ihm passt, schränkt es dessen Vorstellungen und Entscheidungen möglicherweise ein.

Weitere Informationen unter: www.uni-bamberg.de/efp/forschung/abgeschlossen/geschlechterwahrnehmungen-bilderbuch/

Das Projekt stammt aus dem Forschungsschwerpunkt „Empirische Sozialforschung zu Bildung und Arbeit“ der Universität Bamberg. Weitere Informationen und aktuelle Meldungen zum Schwerpunkt finden Sie unter www.uni-bamberg.de/forschung/profil/bildung-und-arbeit. Außerdem ist das Projekt ein Beispiel für Familienforschung, die an der Universität Bamberg eine wichtige Rolle spielt. Es gibt vielfältige Projekte in diesem Bereich, unter anderem in Kooperation mit dem Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb).


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Lars Burghardt
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Frühkindliche Bildung und Erziehung
Tel.: 0951/863-1988
lars.burghardt@uni-bamberg.de


Originalpublikation:

Lars Burghardt, Fabian Hemmerich, Anna Mues. 2020. Frühkindliche Wahrnehmung von
Geschlechterdarstellungen beim gemeinsamen Lesen eines Bilderbuchs. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, Heft 3-2020. https://doi.org/10.3224/diskurs.v15i3.03
Online unter: www.researchgate.net/publication/344489401_Fruhkindliche_Wahrnehmung_von_Geschlechterdarstellungen_beim_gemeinsamen_Lesen_eines_Bilderbuchs


Weitere Informationen:

http://www.uni-bamberg.de/efp/forschung/abgeschlossen/geschlechterwahrnehmungen-…


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Sprache / Literatur
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


Quelle: IDW