Internationale Videostudie zum Mathe-Unterricht: Auf die Verknüpfung mit dem Vorwissen kommt es an

Literature advertisement

Der verborgene Mechanismus des Weltgeschehens

Seit Jahrtausenden ist die Menschheit bestrebt, die Welt, in der sie lebt, erkennen und verstehen zu lernen. Die Erfahrung führt zu einem wachsenden Tatsachenmaterial und die zunehmende Erkenntnis zu einem sich fortwährend verändernden Weltbild.
Jahrzehntelang sind es fast ausschließlich die Biologen gewesen, die sich an die Aufgabe der Aufstellung eines einheitlichen Weltbilds herangewagt haben, Botaniker und Zoologen, Anatomen und Physiologen.
Die exakten Naturforscher haben sich dagegen lange Zeit hindurch nicht recht getraut, an das Weltbild in seiner Gesamtheit heranzutreten; denn für den exakten Aufbau fehlten zu viele, und zwar großenteils gerade die grundlegenden Bausteine. Erst in neuerer Zeit sind die Naturforscher in die Lage gekommen, den Aufbau guten Mutes zu wagen.
Mit diesem Buch liegt nun ein mutiger Beitrag vor. Es ist eine gemeinverständliche Darstellung biotechnischer Systeme der Welt und des verborgenen Mechanismus‘ unseres Weltgeschehens.

Hier geht es weiter …

 



Teilen: 

23.11.2020 12:17

Internationale Videostudie zum Mathe-Unterricht: Auf die Verknüpfung mit dem Vorwissen kommt es an

Lernprozesse sind besonders erfolgreich, wenn Lehrkräfte das Vorwissen ihrer Schüler*innen berücksichtigen und Lerninhalte systematisch verknüpfen. Das zeigt die heute in Frankfurt am Main veröffentlichte TALIS-Videostudie Deutschland. Am Beispiel der Unterrichtseinheit zu quadratischen Gleichungen hat das verantwortliche Forschungsteam dafür unter anderem Unterrichtsstunden per Video aufgezeichnet und ausgewertet. Die deutsche Erhebung schließt an die internationale „OECD Global Teaching InSights / TALIS Video Study“ an, die in acht Ländern auf drei Kontinenten durchgeführt wurde.

Ziel der Studie war es, ein ganzheitliches Bild des Mathematikunterrichts zu gewinnen und Unterrichtsmerkmale mit dem Lernerfolg der Schüler*innen in Verbindung zu setzen. Dafür hat das Forschungsteam nicht nur einzelne Unterrichtsstunden per Video aufgezeichnet, sondern sie noch mit Leistungstests und Befragungen der Schüler*innen sowie der Lehrkräfte verknüpft. In Deutschland haben 50 Schulklassen überwiegend aus westdeutschen Gymnasien teilgenommen. Umgesetzt wurde die von der Leibniz-Gemeinschaft geförderte Studie vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Das DIPF gehörte zugleich dem Forschungskonsortium an, das für die internationale Studie verantwortlich war.

„Ein solcher direkter Einblick in die Unterrichtssituation ist für die Bildungswissenschaft sehr ergiebig“, unterstreicht Prof. Dr. Eckhard Klieme, der die TALIS-Videostudie mit konzipiert und ausgewertet hat. „Einen Königsweg, wie Lehrkräfte ihren Schüler*innen ein neues Thema wie die quadratischen Gleichungen nahebringen können, gibt es nicht. Weil so viel vom Vorwissen abhängt, ist es auf jeden Fall wichtig, die fachlichen Kompetenzen systematisch aufzubauen und den erreichten Stand genau zu kennen.“

Für Deutschland ergab die Studie insbesondere, dass Lehrkräfte ihre Schüler*innen noch besser kognitiv aktivieren, das heißt zu einer Auseinandersetzung mit den Lehrinhalten anregen können. Das betrifft zum Beispiel die fachliche Tiefe und die Präsentation alternativer Lösungswege – obwohl sich hauptsächlich Gymnasien beteiligt hatten. Ausbaufähig ist auch, die Inhalte mit anderen mathematischen Themen zu verknüpfen und den Schüler*innen passende Rückmeldungen zu geben, um deren Lernschritte zu unterstützen (Feedback). Gut schnitten die deutschen Lehrkräfte dagegen bei der Klassenführung ab, also der Fähigkeit, den Unterricht zu steuern und die Aufmerksamkeit zu sichern. Dies war besonders erfolgreich, wenn die Lehrkraft selbst angab, Freude an der Arbeit mit der jeweiligen Klasse zu haben.

Positiv bewerteten die Autor*innen außerdem die Unterrichtsatmosphäre – diese sei sehr respektvoll gewesen. Eine Besonderheit zeigte die deutsche Stichprobe überdies im internationalen Vergleich: Je anspruchsvoller der Lernstoff im Laufe des Unterrichts wurde, umso geringer war das Interesse der Schüler*innen. „Dieses überraschende Ergebnis weist darauf hin, dass wir uns in Deutschland schwerer tun als andere Länder, kognitive Förderung und Motivierung zusammenzubringen“, vermutet Klieme.

Die Herausgeber*innen der Studie warnen davor, pädagogische Konzepte aus anderen Ländern einfach zu kopieren. International gäbe es große Unterschiede zwischen den Lernkulturen, den Fachdidaktiken, den verwendeten Hilfsmitteln und somit dem kompletten Wirkungsgefüge des Unterrichts. „Aus internationalen Vergleichsstudien wie PISA werden oft vorschnelle Schlussfolgerungen gezogen, welche politischen und pädagogischen Maßnahmen umzusetzen seien, um die Leistungen der Schüler*innen zu verbessern“, unterstreicht Dr. Juliane Grünkorn vom DIPF, die Leiterin des deutschen Teams. „Dabei lassen sich die Unterrichtsqualität und Lernergebnisse nur bedingt über Lehrpläne und Standards kontrollieren. Wer den Unterricht verbessern und weiter entwickeln will, muss bei den pädagogischen Prozessen und der Didaktik ansetzen.“

Präsentiert und diskutiert werden die Ergebnisse der TALIS-Videostudie Deutschland bei der virtuellen 6. Fachtagung des Zentrums für Internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) zum Thema „Unterrichtsqualität im internationalen Vergleich“ am 3. Dezember. Die Tagung wird vom DIPF und vom ZIB in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium ausgerichtet.

Über die TALIS-Videostudie:
Die TALIS-Videostudie Deutschland ist ein Forschungsprojekt der Leibniz-Gemeinschaft, das an die internationale Videostudie „Teaching and Learning International Survey (TALIS-Video)“ der OECD anschließt. Weitere Erhebungen der internationalen Studie fanden in Chile, China, England, Japan, Kolumbien, Mexiko und Spanien statt. In Deutschland haben 50 Klassen aus sieben Bundesländern mit insgesamt 1.140 Jugendlichen teilgenommen. Die Stichprobe ist aufgrund des aufwändigen Designs der Studie und der freiwilligen Teilnahme nicht repräsentativ.

Über das DIPF:
Das DIPF ist das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation mit Standorten in Frankfurt am Main und in Berlin. Es will dazu beitragen, Herausforderungen im Bildungswesen zu bewältigen, den Zugang zu Bildung zu erleichtern und die Qualität von Bildung zu verbessern. Dafür unterstützt das Institut Schulen, Kindertagesstätten, Wissenschaft, Verwaltung und Politik mit empirischer Forschung, wissenschaftlichen Infrastrukturen und Wissenstransfer.

Ansprechpartnerin für die Presse:
Anke Wilde, DIPF, +49 (0)69 24708-824, wilde@dipf.de, PR@dipf.de, www.dipf.de


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Eckhard Klieme, DIPF, +49 (0)170 834 5785, klieme@dipf.de
Dr. Juliane Grünkorn, DIPF, gruenkorn@dipf.de


Originalpublikation:

https://www.pedocs.de/frontdoor.php?source_opus=21072


Weitere Informationen:

https://www.dipf.de/de/forschung/aktuelle-projekte/talis-videostudie-deutschland – Link zur Projektwebseite
https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/veranstaltungen/sechste-bundesweite-zib-fach… – Informationen zur ZIB-Fachtagung


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Mathematik, Pädagogik / Bildung
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


Quelle: IDW