Pietismus: Vielfältige Reformbewegung mit anhaltender Aktualität

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Wege zur physikalischen Erkenntnis

Diese erweiterte Neuauflage des Buchs „Wege zur physikalischen Erkenntnis“ enthält neben der wissenschaftlichen Selbstbiographie folgende Vorträge:

Die Einheit des physikalischen Weltbildes.
Die Stellung der neueren Physik zur mechanischen Naturanschauung.
Neue Bahnen der physikalischen Erkenntnis.
Dynamische und statistische Gesetzmäßigkeit.
Das Prinzip der kleinsten Wirkung.
Verhältnis der Theorien zueinander.
Das Wesen des Lichts.
Die Entstehung und weitere Entwicklung der Quantentheorie.
Kausalgesetz und Willensfreiheit.
Vom Relativen zum Absoluten.
Physikalische Gesetzlichkeit.
Das Weltbild der neuen Physik.
Positivismus und reale Außenwelt.
Wissenschaft und Glaube.
Die Kausalität in der Natur.
Ursprung und Auswirkung wissenschaftlicher Ideen.
Die Physik im Kampf um die Weltanschauung.
Vom Wesen der Willensfreiheit.
Religion und Naturwissenschaft.
Determinismus oder Indeterminismus.
Sinn und Grenzen der exakten Wissenschaft.
Scheinprobleme der Wissenschaft.
Wissenschaftliche Selbstbiographie.

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11.11.2020 11:49

Pietismus: Vielfältige Reformbewegung mit anhaltender Aktualität

„Pietismus Handbuch“ greift Diversifizierung und Internationalisierung der Pietismusforschung auf

Der Pietismus ist nach der von Luther angestoßenen Reformation die wichtigste Reformbewegung in Europa. Sie hat den Protestantismus nachhaltig geprägt und wirkt in den westlichen Gesellschaften bis heute nach. In Nordamerika etwa gehören Evangelikale, die ihre Wurzeln zu einem großen Teil im deutschen Pietismus des späten 17. und 18. Jahrhunderts haben, zu einer der größten religiösen Gruppierungen. Die Auswirkungen des Pietismus zeigen sich nicht nur in einer großen regionalen Verbreitung, sondern zudem in einer breiten Einflussnahme auf unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche. „Der Pietismus ist eine durchaus innovative und spannende Bewegung. Außer seiner kirchengeschichtlichen Bedeutung ist er für die Geschichtswissenschaft, die Germanistik, die Kunst- und Architekturgeschichte, die Musikwissenschaft und die Erziehungswissenschaft von großem Interesse, um nur einige Bereiche zu nennen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Breul von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Er gibt zusammen mit Dr. Thomas Hahn-Bruckart von der Universität Hamburg das „Pietismus Handbuch“ heraus, das den aktuellen Forschungsstand auf dem Gebiet wiedergibt.

Nicht der Glaube allein, sondern Frömmigkeit und Lebenswandel sind entscheidend

Der Pietismus entwickelt sich Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Ziel und dem Anspruch, die individuelle Frömmigkeit stärker in den Mittelpunkt zu stellen – durch Gebet, Meditation und einen gemäßigten Lebensstil. „Der Pietismus ist eine ambitionierte Reformbewegung. Er greift vorreformatorische und radikale Einflüsse auf, und mit ihm gewinnt die individuelle Ausgestaltung des Glaubens deutlich an Gewicht“, sagt Breul. Obwohl die Bewegung sehr divers ist, zeigen sich auch gemeinsame Merkmale. Im Zentrum steht die Erneuerung des Frömmigkeitslebens und damit verbunden eine gewisse Abwendung von der verfassten Kirche. Die stärkere Zentrierung auf den persönlichen Glauben ist häufig mit einer intensiveren Bußpraxis und religiöser Selbstbeobachtung verbunden. Die Beobachtungen werden daher auch in Tagebüchern festgehalten, womit ein wichtiger Baustein für das Genre der Biografie gelegt ist, das in dieser Zeit aufzublühen beginnt.

„Es ist nicht so einfach zu sagen, was die pietistischen Strömungen verbindet, außer einer zeitlichen Spanne von etwa 1670 bis 1770“, so Breul. „Es gibt nicht den einen Pietismus, der normativ ist. Das Spektrum ist unglaublich weit.“ So gibt es Strömungen mit stark asketischen Zügen, aber auch lebensfrohe Strömungen und radikale Positionen, die mit Konventionen gebrochen haben oder die Rolle der Frau neu definierten. Gemeinsam ist jedoch den meisten Ausprägungen ein sozialer und kultureller Nonkonformismus und neue religiöse Gemeinschaftsformen wie Konventikel sowie eine Tendenz zur Verinnerlichung und Individualisierung, die teilweise Aspekte der Aufklärung vorwegnahmen.

Impulse und Traditionen leben in evangelikalen Strömungen und anderen Gruppierungen fort

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts lässt der Einfluss des Pietismus auf Kirche, Kultur und Gesellschaft im deutschsprachigen Raum nach. „Etwa um 1800 beginnen neue Entwicklungen, die daran anknüpfen, wie etwa die Erweckungsbewegungen. Die Impulse und Traditionen leben auch in evangelikalen Strömungen und anderen Gruppierungen des 20. Jahrhunderts partiell fort“, beschreibt Breul die Wirkungsgeschichte. Der Theologe weist darauf hin, dass zum Beispiel auch die Pfingstbewegung über mehrere Stationen auf den Pietismus zurückgeführt werden kann. „Oft kann man die Wurzeln im Pietismus aufspüren, auch wenn der Zusammenhang nicht offen auf der Hand liegt oder manchmal auch geleugnet wird.“ Insgesamt ist festzustellen, dass sich aus der Reformbewegung mit ihren modernen Aspekten im Laufe der Zeit eher sozial konservative Strömungen herausgebildet haben.

Mit seinen vielfältigen Ausprägungen, Auswirkungen und der Internationalisierung bietet sich der Pietismus heute noch als reicher Fundus für Forschungsprojekte an. „Er ist ganz besonders für kulturgeschichtliche Fragestellungen interessant, etwa für Fragen der Geschlechterbeziehungen, Pädagogik oder im Hinblick auf kulturelle Veränderungen“, sagt Breul. Das „Pietismus Handbuch“ bietet einen umfassenden Überblick und behandelt wichtige Aspekte der pietistischen Frömmigkeit wie Gemeinschafts- und Sozialformen, Erbauungsliteratur, Lieder und Gesangbücher sowie kulturelle und gesellschaftliche Themen. Es wird im Januar 2021 im Verlag Mohr Siebeck erscheinen.

Bildmaterial:
http://download.uni-mainz.de/presse/01_ev_theol_pietismus.jpg
Das Denkmal für August Hermann Francke in Halle vor dem Pädagogium Regium, Teil der Franckeschen Stiftungen. Francke war der führende Vertreter des Halleschen Pietismus in seiner ersten Generation.
Foto/©: Wolfgang Breul

Weiterführende Links:
https://www.ev.theologie.uni-mainz.de/kirchen-und-dogmengeschichte-territorialki… – Kirchen- und Dogmengeschichte. Territorialkirchengeschichte
https://www.ev.theologie.uni-mainz.de/ – Evangelisch-Theologische Fakultät

Lesen Sie mehr:
https://www.uni-mainz.de/presse/61392.php – Pressemitteilung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz „Generaldirektion Kulturelles Erbe und Johannes Gutenberg-Universität Mainz kooperieren bei Lutherdekade“ (17.07.2014)


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Wolfgang Breul
Professur für Kirchen- und Dogmengeschichte (Schwerpunkt: Neuzeit)
Evangelisch-Theologische Fakultät
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-20735
E-Mail: breul@uni-mainz.de
https://www.ev.theologie.uni-mainz.de/kirchen-und-dogmengeschichte-territorialki…


Originalpublikation:

Wolfgang Breul, Thomas Hahn-Bruckart (Hrsg.)
Pietismus Handbuch
Mohr Siebeck, Januar 2021
DOI: 10.1628/978-3-16-159652-0
https://www.mohrsiebeck.com/buch/pietismus-handbuch-9783161596520


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Geschichte / Archäologie, Pädagogik / Bildung, Religion, Sprache / Literatur
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


Quelle: IDW