Geschlechterunterschiede auf wissenschaftlichen Tagungen: Männer reden mehr und länger

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Die Transzendenz der Realität

Der Nobelpreisträger Max Planck war einer der Pioniere der Quantenphysik und deshalb nicht verdächtig einem esoterischen Weltbild anzuhängen. Er vermutete hinter der Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und die Materie zusammenhält, einen bewussten intelligenten Geist. Diesen hielt er für den „Urgrund aller Materie“.
Völlig unerklärlich ist beispielsweise, dass Atome, Elektronen oder Protonen bei bestimmten Untersuchungen überhaupt nichts Materielles mehr an sich haben. Sie scheinen Welleneigenschaft zu besitzen. Einen Hinweis auf den bewussten Geist finden wir in der wissenschaftlichen Interpretation der physikalischen Experimente mit Quanten. Lässt sich Plancks Ansicht aufgrund der in diesem Buch dargelegten neueren Erkenntnisse bestätigen?
Unter Vermeidung fast aller Formeln ist ein allgemeinverständliches abgerundetes Sachbuch entstanden, das seinen Finger auf die offenen Wunden der Wissenschaft legt und überraschende Lösungen auch für die „letzten Dinge“ bereithält.

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04.11.2020 09:40

Geschlechterunterschiede auf wissenschaftlichen Tagungen: Männer reden mehr und länger

Die Wissenschaft ist eine „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, bei der es um Sichtbarkeit und Anerkennung geht. Wenn nicht gerade Corona grassiert, bieten Konferenzen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen die Bühnen, um ins kollegiale Rampenlicht zu treten und ihr akademisches Selbst zu inszenieren. Es geht um persönliche Karrierechancen und das Machtgefüge in einer Disziplin. Wie steht es hier um die Gleichstellung der Geschlechter? Eine umfangreiche Studie der Universität Passau belegt nun: Nach wie vor kommen Männer häufiger und länger zu Wort als Frauen.

Ein Team aus Geographen und Geographinnen der Universität Passau untersuchte Geschlechterunterschiede im Tagungsgeschehen auf dem 61. Deutschen Kongress für Geographie 2019 in Kiel. Neben der Auswertung der Gästestruktur und des Konferenzprogramms, wurden in 233 Vorträgen Daten zur Größe und Zusammensetzung der Auditorien, zu Redezeiten und dem Diskussionsverhalten erhoben. Es handelt sich damit um die umfangreichste Studie dieser Art.

Auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse positiv. Die Zahlen der Kongressbesucherinnen und -besucher waren so gut wie ausgeglichen – 47 Prozent Frauen, 52 Prozent Männer. Nicht ganz so ausgewogen war die Zahl der Vortragenden, aber immerhin: 46 Prozent Frauen, 54 Prozent Männer – ein immenser Fortschritt im Vergleich zu früheren Jahrzehnten.

„Das ist durchaus als Erfolg der Gleichstellung in unserem Fach zu werten“, sagt Koautor Christian Haase von der Universität Passau. „Noch in den späten 1980er Jahren waren Vorträge von Geographinnen eine absolute Ausnahme.“ Ist die Gleichstellung der Geschlechter also (fast) erreicht?

Ganz so einfach ist es nicht. Im konkreten Verhalten auf der Konferenz zeigen sich nämlich immer noch starke Geschlechterunterschiede. „Das hatten wir in dieser Deutlichkeit nicht erwartet“, sagt Philipp Aufenvenne, der gemeinsam mit Prof. Dr. Malte Steinbrink die Studie geleitet hat. „Überrascht hat uns zum Beispiel, dass Vorträge von Männern besser besucht werden als die von Frauen und dass das am Verhalten der Männer liegt. Vorträge ihrer Kolleginnen besuchen sie weniger häufig.“

Eine deutliche Diskrepanz stellt das Passauer Team zudem im Hinblick auf die Redezeiten beim Vortrag und in den anschließenden Diskussionen fest. Wissenschaftler überziehen die Zeitvorgaben nicht nur häufiger, sondern zudem ausgiebiger. Auch die Diskussionen werden tendenziell von Männern dominiert. Sie melden sich mehr zu Wort und reden dabei auch deutlich länger – selbst, wenn im Publikum mehrheitlich Frauen sitzen. „Männer beanspruchen für ihre Ausführungen und ihre akademischen Selbstinszenierungen im Schnitt deutlich mehr Raum“, konstatiert Franziska Meixner, studentische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Anthropogeographie an der Universität Passau und Koautorin der Studie.

Vor allem mit Blick auf die Diskussionskultur auf dem Kongress hält Steinbrink abschließend fest: „Da bestehen überkommene geschlechtsspezifische Kommunikationsmuster fort, und diese sind offenbar zählebiger als die formalen Strukturen und Positionen im Unisystem, wo sich in den letzten Jahren eine sehr positive Dynamik abzeichnet.“

Die Autorinnen und Autoren möchten mit der Studie darauf aufmerksam machen, dass trotz aller Erfolge universitärer Gleichstellungsbemühungen unbewusste Verhaltensweisen und tradierte Rollenvorstellungen noch immer wirken. „Hier gibt es weiter Reflektions- und Handlungsbedarf – nicht nur in der Wissenschaft“, so Steinbrinks Appell.

Die Studie erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2021. Die Autorinnen und Autoren stellen das Manuskript gerne auf Anfrage per E-Mail zur Verfügung.

Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an das Referat für Medienarbeit der Universität Passau, Tel. 0851 509-1439.


Originalpublikation:

Original-Studie: Aufenvenne, P.; Haase, C.; Meixner, F. & M. Steinbrink (2021): Der alte weiße Geograph mit dem langen grauen Bart hat Recht! Genderbezogene Unterschiede hinsichtlich Partizipation und Kommunikationsverhalten auf dem Deutschen Kongress für Geographie 2019 in Kiel. In: Berichte: Geographie und Landeskunde. (in Bearbeitung).


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Geowissenschaften, Gesellschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


Quelle: IDW