In Baumwolle gewebte Schiffsmotive als Symbole des Übergangs

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Die Transzendenz der Realität

Der Nobelpreisträger Max Planck war einer der Pioniere der Quantenphysik und deshalb nicht verdächtig einem esoterischen Weltbild anzuhängen. Er vermutete hinter der Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und die Materie zusammenhält, einen bewussten intelligenten Geist. Diesen hielt er für den „Urgrund aller Materie“.
Völlig unerklärlich ist beispielsweise, dass Atome, Elektronen oder Protonen bei bestimmten Untersuchungen überhaupt nichts Materielles mehr an sich haben. Sie scheinen Welleneigenschaft zu besitzen. Einen Hinweis auf den bewussten Geist finden wir in der wissenschaftlichen Interpretation der physikalischen Experimente mit Quanten. Lässt sich Plancks Ansicht aufgrund der in diesem Buch dargelegten neueren Erkenntnisse bestätigen?
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08.04.2021 16:18

In Baumwolle gewebte Schiffsmotive als Symbole des Übergangs

Die Einwohner des südlichsten Teils von Sumatra begriffen sich über viele Jahrhunderte als Crew eines Schiffes, das zwischen Wasser und Himmel treibt. Diese Vorstellung veranschaulichten sie in faszinierenden Textilien, die kunstvoll ausgeführte Schiffe mit einer vielfältigen Besatzung an Menschen und Tieren zeigen. Ausgewählte Beispiele von Schiffstüchern, die wichtige gesellschaftliche Anlässe und religiöse Rituale begleiteten, werden nun im Völkerkundemuseum der Universität Zürich ausgestellt.

Schiffe, irgendwo zwischen Wasser und Himmel, oft mehrfach übereinander gestapelt, mit Ahnenwesen, glücksverheissenden Tieren oder mit mächtigen Insignien geschmückt: So präsentieren sich die textilen Motive, die es ab dem 11. April 2021 im Völkerkundemuseum der Universität Zürich zu bestaunen gibt. Weberinnen Südsumatras erzeugten die ausdrucksstarken Bilder und kühnen Muster mit rot, blau und gelb gefärbten Fäden, die sie – meist zu zweit zusammenarbeitend – in einer raffinierten Technik direkt mit dem baumwollenen Grundstoff verwoben.

Die so gefertigten Schiffstücher wurden zu wichtigen gesellschaftlichen Anlässen im Lebenszyklus der Einheimischen aufgehängt, dienten dem Zudecken von Opfergaben oder Geschenken und begleiteten das rituelle Geschehen. Aufgrund veränderter sozialer, religiöser und ökonomischer Bedingungen werden die Tücher seit etwa hundert Jahren nicht mehr hergestellt und kaum mehr eingesetzt. Viele Fragen zu ihrer Verwendung und Bedeutung bleiben deshalb bis heute offen – doch nicht zuletzt das Geheimnisvolle trägt bis heute zu ihrer Faszination bei.

Textile Schatzkammer in Zürich

Mit den Schiffstüchern präsentiert das Völkerkundemuseum nicht nur eine Reihe beeindruckender ethnologischer Artefakte, sondern auch ein Stück seiner Forschungs- und Sammlungsgeschichte: Der Botaniker und Ethnologe Alfred Steinmann, einer der ehemaligen Direktoren des Museums, gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, die sich eingehend mit den Geweben beschäftigte. Er versuchte, das Motiv des Schiffes bis in die 1960er-Jahre in mehreren Schriften kulturhistorisch zu deuten. «Die Schiffstücher interpretierte er vor allem als Darstellungen des Übergangs, die zeigen, wie die Seelen Verstorbener ins Land der Ahnen überführt werden», erklärt Ausstellungskuratorin Paola von Wyss-Giacosa. Obwohl spätere Forschende Steinmanns Sichtweise relativierten, bleibt sein Beitrag bis heute wesentlich für die Wahrnehmung der Textilien. «Seine Forschung, und insbesondere seine Habilitationsschrift ‹Das kultischen Schiff in Indonesien›, hat die Sammlung des Völkerkundemuseums entscheidend geprägt», so die Ethnologin.

Ahnen begleiten durch bewegte Zeiten

Neben den Schiffstüchern, die in der Ausstellung in einer eigenen Schatzkammer versammelt sind, werden den Besucherinnen und Besuchern weitere kunstvoll bearbeitete Objekte präsentiert. Sie helfen, Steinmanns Argumentation visuell nachzuvollziehen. «Mit ausgewählten Stücken möchten wir die Inspiration, die in kulturell aufgeladenen Gegenständen steckt, erlebbar machen», sagt Co-Kurator Andreas Isler. Sein persönliches Lieblingsstück ist das zweitausend Jahre alte Fragment einer Bronzetrommel aus der Dong-Son-Kultur, das von einer Insel weit im Südosten der Molukken stammt: Das als Relief gestaltete Schiff auf dem Rand der Trommel ist voll mit vogelartigen Seelenwesen und gehört zu den Objekten, die Steinmann zu seinen Thesen anregten. Gleiches gilt für eine bemalte Holzplanke – eine Leihgabe aus Bern. Priester der Dayak in Südborneo stellten darauf Passagiere auf einer Schifffahrt ins Jenseits dar und lieferten Steinmann damit weitere Anhaltspunkte für sein Deutungsmuster: Das Seelenschiff war ein zentrales Symbol für das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe beim gemeinsamen Reisen durch bewegte, von Übergängen geprägte Zeiten.

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«Schiffe und Übergänge»

Ausstellung im Völkerkundemuseum der Universität Zürich
Pelikanstr. 40, 8001 Zürich
11. April bis 31. Oktober 2021
Di, Mi, Fr 10–17, Do 10–19, Sa 14–17, So 11–17 Uhr

Ab dem 11. April 2021 finden sich ein Trailer sowie mehrere Video-Podcasts zur Ausstellung unter: www.musethno.uzh.ch/Schiffe

Eine Publikation zur Ausstellung ist in Vorbereitung: Hrsg. Paola von Wyss-Giacosa und Andreas Isler, mit Beiträgen von Toos van Dijk, Junita Arneld, Paolo Maiullari und Wolfgang Marschall.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Völkerkundemuseum
der Universität Zürich

Dr. Andreas Isler, Kurator
Tel. +41 44 634 90 25
E-Mail: aisler@vmz.uzh.ch

Dr. Paola von Wyss-Giacosa, Kuratorin
E-Mail: von_wyss-giacosa@bluewin.ch
Tel. +41 44 634 90 25


Weitere Informationen:

https://www.media.uzh.ch/de/medienmitteilungen/2021/Schiffstuecher.html


Anhang

attachment icon Flyer zur Ausstellung


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Religion
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
Deutsch


Quelle: IDW